Positives Upcycling oder Greenwashing?

by | Apr 26, 2021 | Upcycling

Betreibt KIELBACH. positives Upcycling oder doch nur Greenwashing?
Wir möchten uns gerne mit der Fragestellung auseinandersetzen, ob KIELBACH. gutes Upcycling betreibt oder ob wir unser Produkt und den Herstellungsprozess nach außen hin geschönt darstellen und “grünwaschen”.
 
Die Gefahr des Greenwashing durch Unternehmen
Das Bewusstsein für nachhaltiges Leben ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Auch große Unternehmen und Konzerne haben das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile für sich entdeckt. Die Gefahr dabei ist das sogenannte Greenwashing (zu deutsch: grünwaschen, “sich ein grünes Mäntelchen umhängen”). Ökonomische Interessen wie Gewinnmaximierung stehen zwar eigentlich im Vordergrund, werden jedoch durch gezielte PR-Maßnahmen verschleiert. Die damit einhergehende Verbrauchertäuschung erfolgt in unterschiedlichen Formen, z.B. Beschönigung oder Falschaussagen. Dieser äußere, grüne Schein entspricht oft nicht den realen, ökologischen Tatsachen des unternehmerischen Handelns bzw. des Kerngeschäfts. Es fällt schwer, Ölkonzernen oder anderen Global Playern, die mit Wasser Profite machen, Glauben zu schenken, dass sie all ihre Prozesse und Verpflichtungen nun auf nachhaltigen Säulen errichtet haben.
 
Kann Upcycling als nachhaltiges Geschäftsmodell betrachtet werden?
Grundsätzlich werden beim Upcycling (vermeintliche) Abfallprodukte oder ausgediente Gegenstände in neue Produkte umgewandelt oder aufgewertet. Dieser Prozess ist eine kreative Zweckentfremdung von Materialien, die ursprünglich anders verwendet wurden und nun eine neue Funktion und Daseinsberechtigung erhalten.
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Upcycling ausnahmslos Vorteile mit sich bringt und nur positiv zu bewerten ist. Schließlich wird einem ausgemusterten Gegenstand neues Leben eingehaucht anstelle einer Entsorgung.
Generell ist zu sagen, dass Upcycling Vor-, aber auch Nachteile bietet. Upcycling ist nicht per se nachhaltig. Es gibt gutes und schlechtes Upcycling und mit dem Begriff Upcycling kann richtig gutes Greenwashing betrieben werden.
Upcycling hat im weiteren Sinne etwas mit dem (Abfall-)System der “Kreislaufwirtschaft” zu tun. Der Gegenpol zur Kreislaufwirtschaft bildet die Linearwirtschaft bzw. “Wegwerfwirtschaft”, zu der Einwegprodukte in Form von Restmüll oder Sondermüll gehören. Kreislaufwirtschaft bedeutet praktisch, dass Abfälle durch Wiederverwendung und Reparatur bestehender Produkte vermieden werden sollen. Das Ziel ist es, die bereits verwendeten Ressourcen so lange wie möglich “im Kreis” zu halten.
Demnach handelt es sich um schlechtes Upcycling, wenn einem engen System der Kreislaufwirtschaft für den Upcycling-Prozess ein Produkt entnommen wird, was zur Konsequenz hat, dass es “im Kreis” fehlt und wiederum nachproduziert werden muss.
Zum anderen ist es ebenfalls nicht sehr nachhaltig, wenn z. B. vier weitere/neue Produkte gekauft werden müssen um einen Gegenstand aufzuwerten. Hier gilt es dann, die Herstellungsprozesse und Transportwege aller zusätzlich benötigten Produkte zu überprüfen. Zumindest wäre dies obligatorisch, um wirklich abbilden zu können, ob es sich um wirklich gutes oder doch geschöntes, schlechtes Upcycling handelt.
 
Betreibt KIELBACH. nun gutes Upcycling oder Greenwashing?
Flugzeugtrolleys werden von Fluggesellschaften ausrangiert, da sie ausgedient haben. Sie sind oft dreckig, die Rollen drehen sich nicht mehr, sie sind zerkratzt und zerbeult – kurz: runtergerockt!
Nun gibt es verschiedene Bereiche bzw. Prozesse, die durchlaufen werden, um aus einem ausrangierten Trolley einen KIELBACH. Upcycling-Flugzeugtrolley zu machen. Heute schauen wir uns den Herstellungsprozess an. Dieser besteht zum einen aus der Aufbereitung des Flugzeugtrolleys und zum anderen aus der Verkleidung mit Furnier.
 
Werden für die Aufbereitung des Flugzeugtrolleys Produkte zugekauft?
Nein. Wir kaufen keine zusätzlichen Produkte um die Flugzeugtrolleys aufwerten zu können. Zudem gestalten wir den Aufbereitungsprozess so umweltneutral wie nur möglich und verwenden dabei vorhandene Werkzeuge und natürliche Reinigungsmittel und verzichten auf aggressive Chemiereiniger:
  • Zitronensäure aus dem Unverpackt-Laden
  • ausgediente Textilien und Putz-/Polierwolle
  • Werkzeuge aus Familienbesitz
Wir versichern, dass wir die verwendeten Materialien bewusst und sorgfältig auswählen und bei jedem verwendeten Hilfs- und Betriebsstoff darauf achten, möglichst wenig Abfall zu produzieren.
Wir reinigen die Flugzeugtrolleys und entfernen Schmutz, Verunreinigungen sowie u. U.  rostige Stellen. Wir polieren ihn jedoch nicht auf Hochglanz, weil wir auf umweltschädliche Polituren verzichten. Stattdessen verwenden wir Politurwolle. Zudem bauen wir alle Rollen auseinander, um sie von Ölablagerungen und sonstigen Verschmutzungen zu befreien, fetten die Kugeln neu und bauen sie wieder zusammen. Mit nur wenigen Handgriffen sind sie in einen sehr guten Zustand zurück zu verwandeln, ohne dass man sie durch neue Rollen ersetzen müsste.
 
Ist die Verkleidung der Flugzeugtrolleys mit Furnier nachhaltig?
Ja. Furnier eignet sich als nachhaltiger Rohstoff, da der Baumstamm vollständig verwertet wird. Dies kommt in der Form bei keinem anderen Rohstoff vor, auch nicht bei Massivholz. Es werden nur relativ wenige Bäume gebraucht, um eine große Fläche Furnier zu erhalten. Und nur ein Prozent der Bäume, die in einem Wald wachsen, sind als Furnier interessant. Unser Holz stammt überwiegend aus Deutschland, in Einzelfällen aus dem Elsass oder aus Österreich. In Deutschland wurde vor 300 Jahren der Grundstein für eine nachhaltige Forstwirtschaft gelegt und findet sich heute erweitert im Bundeswaldgesetz, den Waldgesetzen der Länder sowie der Waldstrategie 2020 wieder. Hochwertige ökologische und soziale Standards sind für 80 Prozent der deutschen Waldfläche bescheinigt. Hinzu kommen noch sogenannte freiwillige, internationale Zertifikate wie Forest Stewardship Council“ (FSC) und das „Programme for the Endorsement of Forest Certification“ (PEFC). Trotzdem: man kann mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass deutsches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, auch wenn keine PEFC oder FSC-Zertifizierung dahinter steht.
 
Und wie steht es mit Logistik und Verpackung?
Selbstverständlich versuchen wir neben dem Herstellungsprozess auch unsere anderen Bereiche so umweltschonend wie nur möglich zu gestalten. Deshalb arbeiten wir größtenteils mit lokalen Partnern: einer Kölner Schreinerei und einem Kölner Holzfachhandel. Wir verarbeiten überwiegend Holz aus Deutschland. Das minimiert unsere Transportwege um eine Vielfaches. Zudem haben wir uns um einen lokalen Kartonlieferanten bemüht, bei dem wir die Kartonagen für die Verpackung abholen. Alle Komponenten, die wir benötigen, um den Upcycling-Flugzeugtrolley transportsicher zu verpacken, sind durchdacht und umweltschonend. Wir verzichten gänzlich auf Plastik- oder Styropor-Füllmaterial und verwenden stattdessen mit Altpapier gefüllte Wellpappe-Polsterkissen – aus eigener Produktion… In einem zukünftigen Blogartikel werden wir das Thema „Nachhaltige Verpackung“ genauer betrachten.
 
Fazit
Es lässt sich festhalten, dass Upcycling und die Aufwertung ausgedienter Gegenstände und Materialien grundsätzlich positiv zu bewerten ist, aber gleichzeitig beachtet werden muss, ob und wie viele zusätzliche Materialien benötigt werden und ob dies die Upcycling- und Nachhaltigkeitsbilanz am Ende nicht kaputt macht.
Ein Flugzeugtrolley kann seine ursprüngliche Aufgabe nicht mehr erfüllen und wird durch einen durchdachten, nachhaltigen Upcycling-Prozess zu einem schicken Einrichtungsgegenstand. KIELBACH. kauft für den Umwandlungsprozess weder zusätzliche Produkte ein noch entnehmen wir der Kreislaufwirtschaft Produkte und stören damit das System. Wir gestalten all unsere Prozesse so nachhaltig wie möglich, denn wir setzen uns ein für positives, gutes Upcycling, für Nachhaltigkeit und gegen Greenwashing. Wir möchten so transparent wie möglich aufzeigen, dass wir zum einen gutes Upcycling betreiben und zum anderen hochwertige, multifunktionale, langlebige und damit nachhaltige Möbel kreieren, die ein warmes, angenehmes Wohngefühl bereiten.
 
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Quellen:
https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/darum-ist-greenwashing-ein-problem/
https://reset.org/knowledge/corporate-social-responsibility-csr-%E2%80%93-die-gesellschaftliche-verantwortung-von-unternehmen
https://utopia.de/ratgeber/nachhaltigkeit-definition/
https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/forstwirtschaft-in-deutschland-ist-nachhaltig-und-zertifiziert
https://www.bmel.de/DE/themen/wald/wald-in-deutschland/wald-in-deutschland_node.html